ADHS-Selbsttest

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ADHS-Tests können keine ADHS-Diagnostik ersetzen und bieten allenfalls einen gewissen Unterhaltungswert

ADHS-Selbsttests, wie sie häufig auch im Internet zu finden sind,[1][2][3][4][5] sollen laut den Anbietern einen ersten Hinweis auf eine möglicherweise vorliegende ADHS geben, oder anzeigen, wie ausgeprägt die ADHS-Symptome sind. Bei derartigen Tests sollte stets berücksichtigt werden, dass einerseits nicht sichergestellt ist, ob und in wiefern diese fundiert sind, ob sie wichtige Testgütekriterien erfüllen und ob sich die Testkriterien an den (aktuellen) Kriterien der Diagnosehandbücher orientieren; andererseits können die Tests keinesfalls klinische Bedingungen zur Bestimmung einer ADHS erfüllen.

Generell sind alle, auch fundierten und professionell durchgeführten psychologischen Tests messfehlerbehaftet und allgemein können stets nur Wahrscheinlichkeitsaussagen bezüglich der Vorhersage einer psychischen Störung getroffen werden. Selbst bei professionell durchgeführten Tests ist eine absolute diagnostische Sicherheit nicht gewährleistet. Auch müssen Störungen, die symptomatische Überlappungen mit der ADHS aufweisen, differenzialdiagnostisch abgegrenzt werden, da dutzende andere psychische Störungen, aber auch körperliche Erkrankungen als Ursache für ADHS-Symptome in Frage kommen. Bereits diese Differenzierung kann ein Selbsttest nicht leisten. ADHS-Selbsttests beziehen sich meist ausschließlich auf die ADHS-typischen Symptome und die mit diesen einhergehenden Schwierigkeiten. Da diese kategoriial gesehen in leichter bis moderater Form in der Bevölkerung weit verbreitet sind, erhärtet sich der Eigenverdacht des Patienten meist aufgrund des Tests.

Auch ADHS-Selbsttests, die auf den Diagnosekriterien des ICD-10 oder des DSM-V aufbauen, ersetzen in keinem Fall eine korrekt und fachmännisch durchgeführte Diagnostik und bieten allenfalls einen gewissen (zweifelhaften) Unterhaltungswert, da die ADHS-Differenzialdiagnostik eine Liste weiterer, umfangreicher diagnostischer Verfahren (Anamnese, Screenings, körperliche Untersuchungen) beinhaltet. ADHS-Selbsttests sind daher als unseriös zu werten und haben keinen Nutzen für den Patienten. Dennoch finden sich entsprechende Tests häufig in Online-Angeboten im Internet, etwa bei Marketingkampagnen der Pharmaindustrie.

Weitere Kritik

ADHS-Kurztest der US-amerikanischen Pharmakampagne Own Your ADHD

Diagnostische Probleme

Insbesondere beim unbegleiteten Ausfüllen von ADHS-Fragebögen besteht stets das Risiko bestimmter Antworttendenzen, da die meist nicht weiter erläuterten Fragen meist viel Interpretationsspielraum lassen. Patienten, die einen ADHS-Selbsttest durchführen, beispielsweise im Internet, laufen so Gefahr, sich mit dem positiven Ergebnis des Tests zu identifizieren. Stieglitz et al. sprechen hier von einem informed bias, welcher auf die mittlerweile gute Störungskenntnis der Patienten zurückgehe. Diese sollen bestimmmte Antworttendenzen begünstigen können, von denen die Patienten erwarten, dass sie zu einem bestimmten (ggf. erwünschten) Ergebnis führen.[6] Weil die Diagnose einer als gut behandelbar geltenden Störung wie ADHS eine Erleichterung für den Probanden bedeuten kann, da sich ein diffuses Konglomerat an Problemen und Schwierigkeiten so endlich eingrenzen ließe, besteht insofern ein Risiko von Ja-Sage-Tendenzen (acquiescence bias) und zu hohen Scores. ADHS-Selbsttests können Überzeugungen dieser Art bereits im Vorfeld generieren und/oder verhärten und somit die Testergebnisse verfälschen.

Interessen der Pharmaindustrie

ADHS-Selbsttests sind häufig zentraler Bestandteil von Awareness-Kampagnen von Firmen der pharmezeutischen Industrie. Diese werden vorrangig im Internet angeboten und dienen als Marketing-Instrument. Die New York Times kritisierte die häufig von der Pharmaindustrie angebotenen Selbsttests dahingehend, als dass sie aufgrund ihrer fehlenden Aussagefähigkeit keinen Wert für den Probanden haben und aufgrund ihrer iatrogenen[7] bzw. cyberchondrischen[8] Effekte vielmehr als „Köder" für potentielle neue Stimulanzien-Konsumenten fungieren sollen (siehe auch: Own Your ADHD).

Siehe auch

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise

  1. http://www.dr-gumpert.de/html/selbsttest_adhs.html
  2. http://www.onmeda.de/selbsttests/adhs_test.html
  3. http://www.selbsthilfegruppe-wunderkind.de/ads,selbsttest-ads-erwachsene,86.html
  4. http://quiz.sueddeutsche.de/quiz/2081645981-adhs-test--hyperaktivit%C3%A4t?mobile=off
  5. http://neuy-bartmann.de/media/PDF/ads_fragebogen_erwachsene.pdf
  6. https://books.google.de/books?id=tqkOZoi4kA0C&pg=PA54&lpg=PA54&dq=informed+bias+adhs&source=bl&ots=QDIDyjU_bq&sig=vB4waj4BHCE7RVsj5nwVV8raRz8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj9sYyWo6nNAhWE7BQKHT5gC1wQ6AEIIzAA#v=onepage&q=informed%20bias%20adhs&f=false
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Iatrogen
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Cyberchondrie