Heilbarkeit der ADHS

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Ob ADHS heilbar ist, lässt sich zunächst nicht eindeutig beantworten. Auch stellt sich die Frage nach dem sich vom individuellen Leidensdruck ableitenden Krankheitswert, der im Einzelfall von der jeweiligen Symptomausprägung abhängig ist. Legt man der Entstehung genetische Ursachen zugrunde, ist ADHS nicht heilbar.

Spätestens mit der Diagnosestellung stellt sich für Menschen mit ADHS oder deren Angehörige die Frage, ob ADHS heilbar ist. Die Frage nach der Heilbarkeit der ADHS lässt sich jedoch nicht einfach beantworten, da dies mindestens ein sicheres bzw. besser belegtes Entstehungsmodell erforderlich machen würde. Ein solches existiert momentan nicht. Zudem machen Komorbiditäten oftmals einen wesentlichen Teil des klinischen Bilds aus. Nach der in der Psychiatrie gemeinhin anerkannten biopsychosozialen Ursachenhypothese[1] und der evidenzbasierten Medizin gilt ADHS als nicht heilbar,[2] jedoch relativ gut symptomatisch behandelbar.

Diskussion über die Heilbarkeit der ADHS

Liegen der Symptomatik jeweils auch genetische Polymorphismen zugrunde, so ist die ADHS beim Patienten nicht heilbar. Die individuelle Ursache lässt sich im Rahmen der Leitliniendiagnostik jedoch nicht mit absoluter Sicherheit feststellen.

Die Antwort auf die Frage, inwieweit ADHS heilbar ist, hängt stets von der zugrunde gelegten Pathogenese ab. Ausgehend von einer sorgfältig und leitliniengemäß gestellten Diagnose muss, der Hypothese zufolge - unter Ausschluss sämtlicher anderer abzugrenzender Störungsbilder - eine ADHS mit biopsychosozialer Pathogenese und genetischer Disposition vorliegen. Laut Hypothese führt dies unter anderem zu einer erhöhten Dopamintransporter-Dichte in den betroffenen Hirnarealen, welche der eingeschränkten Funktionssteuerung der Betroffenen zugrunde liegt und mit exogenen Faktoren (Umwelteinflüsse wie etwa psychosoziale Wirkfaktoren) korreliert. In diesem Fall ließe sich ADHS beim betroffenen Patienten nicht vollständig heilen, jedoch gegebenenfalls insoweit behandeln, dass dieser eine hinreichende Lebensqualität erlangt. So teilt die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte in der Fassung 2007 mit: „Eine kausale Behandlung von ADHS, bei der Veränderungen von Neurotransmitteraktivität regulierenden Genen ursächlich eine wesentliche Rolle spielen, ist nicht möglich“.[3]

Wenngleich vor allem die Symptomatik der Hyperaktivität und Impulsivität mit zunehmendem Alter tendenziell abnehmen, persistiert insbesondere die Konzentrationsstörung meist lebenslang. Letztlich scheint die Persistenz der Symptome über die Lebensspanne auch von der initialen Symptomausprägung abzuhängen.[4] Die Symptome der ADHS sowie die überwiegende Mehrheit der Begleitstörungen sind aber mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen verbesserbar, etwa im Rahmen einer Kombinationstherapie aus Psychotherapie, Coaching und gegebenenfalls Pharmakotherapie. Zudem lassen sich Komorbiditäten gegebenenfalls auch vollständig heilen.

Anders stellt sich die Heilbarkeit im Falle von ADHS-Symptomen in Folge eines Ernährungsmangels oder bei anderen Ursachen dar, welche der Fehldiagnose zugrundeliegen. Ist die tatsächlich zugrundeliegende Ursache kurativ zu beseitigen, so sind auch die ADHS-Symptome vollständig heilbar (siehe auch: Fehldiagnosen). Für die gelegentlich auftretenden Spontanremissionen ist davon auszugehen, dass eine fehlerhafte Diagnose zugrunde gelegen hat.

Des Weiteren stellt sich angesichts der Möglichkeit einer genetischen Disposition und der phänotypischen Heterogenität der Störung die Frage nach der jeweiligen Behandlungsbedürftigkeit. Eine nur leicht ausgeprägte ADHS-Symptomatik ohne oder mit nur gering ausgeprägten Komorbiditäten muss nicht behandlungsbedürftig sein, obwohl eine entsprechende Disposition vorliegt, wenn der Betroffene in seinem Lebensalltag nicht erheblich eingeschränkt ist. Indes können etwa gravierende Veränderungen im Leben oder schwere psychische Belastungsphasen auch erstmals im Erwachsenenalter dazu führen, dass ADHS-Symptome mit Behandlungsnotwendigkeit in Erscheinung treten.

Medikamentöse Therapie

Obwohl von Laien zuweilen angenommen, stellt auch eine medikamentöse Behandlung keine Möglichkeit dar, ADHS dauerhaft kurativ zu heilen. Medikamente sorgen lediglich für eine temporär verbesserte ADHS-Kernsymptomatik, welche gegebenenfalls auch positive Auswirkungen auf assoziierte Störungen hat. Dies ist jedoch nur so lange gewährleistet, wie das Medikament wirkt.

Kritik

Reframing der pathologischen ADHS

Der Begriff „Heilung“ trägt stets auch die Implikation von „Krankheit“ in sich. Der US-amerikanische Autor Thom Hartmann reframte das Konzept der pathologischen ADHS, indem er - nach einem Jäger-/Sammler-Paradigma - den defizitorientierten ADHS-Symptomen kompetenzorientierte Affirmationen gegenüberstellte. Hartmann geht dabei davon aus, dass es sich bei ADHS um eine genetische Normvariante handelt, bei der ADHS-Betroffene (als „geborene Jäger“) aufgrund ihrer genetischen Disposition weniger gut an Anforderungen der modernen Gesellschaft angepasst sind, als die Mehrheit der Menschen (als „geborene Sammler“). Siehe: ADHS als genetische Normvariante.

Film und Fernsehen

Siehe auch

Dokumente

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Einzelnachweise

  1. http://www.lwl.org/psychiatrie-marsberg-download/PDF/Trost_neu.pdf
  2. http://www.ag-adhs.de/uploads/Leitlinie2009.pdf
  3. http://www.ag-adhs.de/uploads/Leitlinie2009.pdf
  4. vgl. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/ADHSLang.pdf