- Anzeige -


Kategorie:Behandlung

Aus ADHSpedia
(Weitergeleitet von Behandlung)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Therapie der ADHS erfolgt gemäß Therapieleitlinien im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts, das verschiedene Interventionen beinhaltet. Medikamente gehören nicht immer dazu, können bei schwerer Ausprägung aber ein Bestandteil sein.

ADHS ist nach aktuellem Wissensstand nicht heilbar, es sind bislang keine kurativen Therapieformen bekannt. Zur symptomatischen Behandlung stehen aber wirkungsvolle und gut untersuchte Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Nicht immer impliziert eine ADHS-Diagnose jedoch eine Behandlungsnotwendigkeit. Diese richtet sich individuell nach der vorliegenden Symptomausprägung und dem sich ableitenden Leidensdruck. Je nach Schweregrad können zudem unterschiedliche Behandlungskonzepte indiziert sein.

Meist kann die Behandlung ambulant im Sinne eines multimodalen Therapiekonzepts erfolgen, bei dem ein auf den Patienten individuell abgestimmtes Behandlungskonzept angewandt wird. Im Falle einer besonders stark ausgeprägten Symptomatik bzw. bei schweren Begleitstörungen und auch unter schwierigen psychosozialen Bedingungen kann eine stationäre oder teilstationäre Therapie sowie eine ergänzende Pharmakotherapie angezeigt sein.

Weiterhin können unterstützende Maßnahmen, wie zum Beispiel ein ergänzendes, ADHS-spezifisches Coaching für Erwachsene, hilfreich und stabilisierend bei der Alltagsorganisation sein.

Unter den Therapieangeboten finden sich jedoch auch zahlreiche alternative Angebote und Produkte, für die eine Heilwirkung nicht nachgewiesen ist oder die sogar gesundheitsgefährdend sein können.

Exemplarische Darstellung der multimodalen ADHS-Therapie nach Schweregrad

Bei einem Verdacht auf eine schwach ausgeprägte ADHS, wenn die Symptomatik für den Betroffenen mit keinen bedeutenden Belastungen einhergeht, ist eine psychoedukative Abklärung ausreichend. Der Betroffene wird dabei auf seine wahrscheinlich vorhandene Disposition und die sporadischen, leichten Probleme aufmerksam gemacht, die mit dieser in einem Kausalzusammenhang stehen können. Eine psychoedukative Aufklärung, welche sich vornehmlich an den Betroffenen und nicht unbedingt auch an sein Umfeld richtet, kann auch bei leichter Ausprägung sinnvoll sein, da gegebenenfalls später einsetzende Belastungen (etwa durch sich verändernde Lebensumstände oder Schicksalsschläge) zu einer Verstärkung der Symptomausprägung beitragen können. Dieser Sichtweise steht jedoch entgegen, dass die Diagnose ADHS mit Stigma-Wirkungen und Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung verbunden sein kann, weshalb es jeweils dem abwägenden Urteil des Therapeuten obliegt, ob eine entsprechende „Krankheitsbewusstmachung“ für den individuellen Fall sinnvoll und notwendig ist.

Eine mittelschwer ausgeprägte Symptomatik verursacht deutliche Schwierigkeiten und wirkt sich einschränkend auf die Alltagsbewältigung des Betroffenen aus. An die psychoedukative Aufklärung, bei der mindestens auch das nähere soziale Umfeld mit einbezogen wird, sollte deshalb unbedingt eine psychotherapeutische Begleitung angeschlossen werden, welche eine Vermittlung von Bewältigungsstrategien beinhaltet und so lange wie notwendig fortgeführt wird. Eine medikamentöse Einstellung ist bei mittlerer Ausprägung noch nicht indiziert, wenn sich Symptomatik und Komorbiditäten mit Hilfe der Interventionen als kompensierbar erweisen. Zeigen sich akut Verschlechterungstendenzen oder drohen gravierende kausale Probleme (Schulverweis, Nichtversetzung, Verlust des Jobs), kann eine vorübergehende Medikation erwägt werden.

Eine schwere oder schwerste Ausprägung kann neben psychoedukativen und psychotherapeutischen Maßnahmen auch den ergänzenden Einsatz von Medikamenten beinhalten. Medikamente sind dann indiziert, wenn mit den bisherigen Therapiemaßnahmen nach einem angemessenen Zeitraum keine Besserung erzielt werden konnte und wird unter regelmäßiger katamnestischer Beobeachtung und Anpassung sowie unter Fortführung der bisherigen Therapiemaßnahmen so lange wie notwendig beibehalten.

Klicken Sie auf die jeweiligen Symbole, um mehr Informationen zu erhalten. Auf mobilen Endgeräten (Tablets, Smartphones) und bei niedriger Auflösung kann die Darstellung beeinträchtigt sein.

Iconpe.png thera.pngverweis=Psychotherapie Iconmednew.png
Aprbar1.png
Icoach.png Icneuro.png Icstat.png

Fakultativ, oder im Falle einer leichten Ausprägung auch ersatzweise, können - je nach Bedarf oder Vorlieben - auch weitere oder andere Maßnahmen hinzugezogen werden, wie etwa ein ergänzendes Coaching durch einen qualifizierten Coach, Neurofeedback, schulische Förderungsmaßnahmen, leichte Ernährungsoptimierungen oder sportlicher Ausgleich. Solche Maßnahmen können zur Flankierung eines bestehenden Therapiekonzepts sinnvoll sein, sie eignen sich jedoch (mit Ausnahme des Neurofeedbacks) nicht als primäre Therapiebestandteile einer mittelschwer oder schwer ausgeprägten ADHS.

Im Fall einer schwer bis schwerst ausgeprägten Symptomatik kann darüber hinaus auch eine Stationäre Therapie indiziert sein.

Kritik

Ritalin-Verbrauch in den Jahren 1993 bis 2013. Bildquelle: Statista[1]

Die aktuelle Versorgung von ADHS-betroffenen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren gilt hinsichtlich Diagnostik und Behandlung als mangelhaft. So teilt die Bundesärztekammer in einer Stellungnahme zur ADHS mit, dass seitens der Therapeuten und Ärzte teils erhebliche Wissenslücken hinsichtlich einer adäquaten Diagnostik (vor allem Differenzialdiagnostik) sowie unzureichende Kenntnisse über die Kombinationen, die Häufigkeit und Erfolge der verschiedenen Behandlungskomponenten bestehen.[2] Michael Huss bezeichnet die aktuelle Versorgungsqualität in Deutschland als „wenig günstig“.[3] Im Rahmen ihres ADHS-Reports des Jahres 2008 stellt die Gmünder Ersatzkasse ein „Versorgungsdefizit" fest.[4] Fehldiagnosen sowie folgerichtig auch Fehlbehandlungen gelten als häufig.

Im fachlichen wie auch im öffentlich geführten Diskurs wird vor allem das voreilige Empfehlen und Einleiten von Stimulanzientherapien als Monotherapie (einzige Therapiemaßnahme) kritisiert. So haben sich die Absatzzahlen von Methylphenidat seit den 90er Jahren vervielfacht: Wurden im Jahr 1993 noch 34 Kilogramm des Präparats verbraucht, wurde im Jahr 2012 ein Absatz von mehr als 1,8 Tonnen Methylphenidat verzeichnet.[5]. Seit 2013 wird erstmals seit den 1990er Jahren ein leichter Absatzrückgang festgestellt. Dies könne laut BfArM „möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeuten".[6]

Film und Fernsehen

Siehe auch

Therapie- und Diagnoseleitlinien

ADHS bei Kindern und Jugendlichen

ADHS bei Erwachsenen

Studien

Einzelnachweise

  1. http://de.statista.com/infografik/2073/ritalin-verbrauch-in-deutschland/
  2. BÄK, S. 50 f.: Klinische Forschung und Versorgungsforschung
  3. http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/adhs/article/506170/adhs-fehlen-therapeuten.html?sh=158&h=7876371
  4. http://www.aerzteblatt.de/archiv/62271/ADHS-Krankenkasse-stellt-Versorgungsdefizit-fest
  5. http://de.statista.com/infografik/2073/ritalin-verbrauch-in-deutschland/
  6. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/mitteil2014/pm05-2014.html