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Kategorie:Behandlung

Aus ADHSpedia
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Die Therapie der ADHS erfolgt gemäß Therapieleitlinien im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzepts, das verschiedene Interventionen beinhaltet. Medikamente gehören nicht immer dazu, können bei schwerer Ausprägung aber ein Bestandteil sein.

ADHS ist nach aktuellem Wissensstand nicht heilbar, es sind bislang keine kurativen Therapieformen bekannt. Zur symptomatischen Behandlung stehen aber wirkungsvolle und gut untersuchte Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Nicht immer impliziert eine ADHS-Diagnose jedoch eine Behandlungsnotwendigkeit. Diese richtet sich individuell nach der vorliegenden Symptomausprägung und dem sich ableitenden Leidensdruck. Je nach Schweregrad können zudem unterschiedliche Behandlungskonzepte indiziert sein.

Meist kann die Behandlung ambulant im Sinne eines multimodalen Therapiekonzepts erfolgen, bei dem ein auf den Patienten abgestimmtes Behandlungskonzept angewandt wird. Im Falle einer besonders stark ausgeprägten Symptomatik und bei schweren Begleitstörungen sowie unter schwierigen psychosozialen Bedingungen kann eine stationäre oder teilstationäre Therapie sowie eine ergänzende Pharmakotherapie angezeigt sein.

Weiterhin können unterstützende Maßnahmen, wie zum Beispiel ein ergänzendes Coaching für Erwachsene, hilfreich sein, etwa bei der Alltagsorganisation.

Multimodales Vorgehen

Leichte Ausprägung

Bei einem Verdacht auf eine schwach ausgeprägte ADHS, wenn die Symptomatik für den Betroffenen mit keinen bedeutenden Belastungen einhergeht, ist eine psychoedukative Abklärung oft ausreichend. Der Betroffene wird dabei auf seine wahrscheinlich vorhandene Disposition und die sporadischen, leichten Probleme aufmerksam gemacht, die mit dieser in einem Kausalzusammenhang stehen können. Eine psychoedukative Aufklärung der Angehörigen kann auch bei leichter Ausprägung sinnvoll sein, da gegebenenfalls später einsetzende Belastungen (etwa durch sich verändernde Lebensumstände oder Schicksalsschläge) zu einer Verstärkung der Symptomausprägung beitragen können.

Mittelschwere Ausprägung

Eine mittelschwer ausgeprägte Symptomatik verursacht deutliche Schwierigkeiten und wirkt sich einschränkend auf die Alltagsbewältigung des Betroffenen aus. An die Psychoedukation, bei der mindestens das nähere soziale Umfeld mit einbezogen wird, sollte deshalb eine psychotherapeutische Begleitung angeschlossen werden, welche eine Vermittlung von Bewältigungsstrategien beinhaltet und so lange wie notwendig fortgeführt wird. Eine medikamentöse Einstellung ist bei mittlerer Ausprägung noch nicht indiziert, wenn sich Symptomatik und Komorbiditäten mit Hilfe der Interventionen als gut kompensierbar erweisen. Zeigen sich akut Zuspitzungstendenzen oder drohen gravierende Probleme (Schulverweis, Nichtversetzung, Verlust des Jobs), kann eine Medikation erwägt werden.

Schwere Ausprägung

Die Therapie bei schwerer oder schwerster Ausprägung wird zumeist den Einsatz von Medikamenten erforderlich machen. Medikamente sind dann indiziert, wenn mit den bisherigen Therapiemaßnahmen nach einem angemessenen Zeitraum keine Besserung erzielt werden konnte und wird unter regelmäßiger katamnestischer Beobeachtung und Anpassung sowie unter Fortführung der bisherigen Therapiemaßnahmen so lange wie notwendig beibehalten. Es kann zudem eine Stationäre Therapie erforderlich sein.

Therapieergänzung

Fakultativ, oder im Falle einer nur leichten Ausprägung auch ersatzweise, können auch weitere oder andere Maßnahmen hinzugezogen werden, wie etwa ein ergänzendes Coaching durch einen qualifizierten Coach, Neurofeedback, schulische Förderungsmaßnahmen, leichte Ernährungsoptimierungen oder sportlicher Ausgleich. Solche Maßnahmen können zur Flankierung eines bestehenden Therapiekonzepts sinnvoll sein, sie eignen sich jedoch nicht als primäre Therapiebestandteile einer mittelschwer oder schwer ausgeprägten ADHS.

Kritik

Ritalin-Verbrauch in den Jahren 1993 bis 2013. Bildquelle: Statista[1]

Die aktuelle Versorgung von ADHS-betroffenen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren gilt hinsichtlich Diagnostik und Behandlung als mangelhaft. So teilt die Bundesärztekammer in einer Stellungnahme zur ADHS mit, dass seitens der Therapeuten und Ärzte teils erhebliche Wissenslücken hinsichtlich einer adäquaten Diagnostik (vor allem Differenzialdiagnostik) sowie unzureichende Kenntnisse über die Kombinationen, die Häufigkeit und Erfolge der verschiedenen Behandlungskomponenten bestehen.[2] Michael Huss bezeichnet die aktuelle Versorgungsqualität in Deutschland als „wenig günstig“.[3] Im Rahmen ihres ADHS-Reports des Jahres 2008 stellt die Gmünder Ersatzkasse ein „Versorgungsdefizit" fest.[4] Fehldiagnosen sowie folgerichtig auch Fehlbehandlungen gelten als häufig.

Film und Fernsehen

Siehe auch

Therapie- und Diagnoseleitlinien

ADHS bei Kindern und Jugendlichen

ADHS bei Erwachsenen

Studien

Einzelnachweise

  1. http://de.statista.com/infografik/2073/ritalin-verbrauch-in-deutschland/
  2. BÄK, S. 50 f.: Klinische Forschung und Versorgungsforschung
  3. http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/adhs/article/506170/adhs-fehlen-therapeuten.html?sh=158&h=7876371
  4. http://www.aerzteblatt.de/archiv/62271/ADHS-Krankenkasse-stellt-Versorgungsdefizit-fest