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Sport

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Sport kann positive Auswirkungen auf die ADHS-Symptomatik haben

Die positiven Auswirkungen sportlicher Betätigungen auf die ADHS-Symptomatik werden seit einiger Zeit diskutiert. Ein Aspekt auch des öffentlichen Diskurses ist dabei die Hypothese, dass Mängel an körperlicher Betätigung zur Ausbildung der ADHS beitragen können.

Sport als ADHS-Therapiebestandteil

Aufgrund der Heterogenität der Verhaltensstörung ADHS richtet sich die Behandlung nach der individuellen Problematik des Patienten. Einzelne Therapieelemente sind isoliert angewendet meist wenig effektiv, da sie nur auf einzelne Bereiche der multifaktoriellen ADHS-Problematik wirken.

Positive Effekte von chronischer und akuter sportlicher Betätigung auf einzelne Bereiche der Symptomatik sind aber nachgewiesen. Verschiedene Studien konnten positive Auswirkungen auf Verhalten und Kognition bei betroffenen Patienten aufzeigen.[1][2][3][4][5] Zudem profitierte ein Großteil der Teilnehmer von einer Steigerung von Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz.[6][7] Bei regelmäßiger Teilnahme an Mannschaftssportarten wurde zudem über das Lernen sportlich-fairen Verhaltens ein positiver Einfluss auf das generelle Sozialverhalten festgestellt.

Aufgrund der Heterogenität der ADHS-Symptomatik richtet sich die Behandlung nach der individuellen Indikation. Sportliche Betätigung eignet sich deshalb, so wie sämtliche einzelnen Behandlungsoptionen ebenfalls, nicht allein zur Therapie einer behandlungsbedürftigen, also mittelschwer bis schwer ausgeprägten ADHS. Vielmehr empfiehlt es sich, Sport als ergänzende Komponente eines multimodalen Behandlungskonzepts einzusetzen, da körperliche Bewegung das Allgemeinbefinden flankiert und so den Therapieerfolg unterstützen kann.

Geeignete Sportarten

Grundsätzlich eignet sich für Betroffene jede Sportart. Besondere Wichtigkeit kommt zu Gunsten dauerhafter Effekte auf die Symptomatik der Kontinuität der ausgeübten Bewegung zu, weshalb bevorzugt eine Sportart gewählt werden sollte, die den Betroffenen auch über längere Zeiträume Freude macht. Lassen sich Probleme, die bei Teamsportarten auftreten, über längere Zeiträume nicht vermindern, kann eine Individualsportart (zum Beispiel Joggen, Wandern, Radfahren, asiatische Kampfsportarten) die geeignetere Wahl sein.

Schwierigkeiten

Verschiedene Untersuchungen machen deutlich, dass die sportliche Teilnahme seitens der Eltern und Sportlehrer ADHS-betroffener Kinder und Jugendlicher häufiger als problematisch eingestuft wird. Nach Eltern- und Lehreraussage wiesen vor allem ADHS-Betroffene mit schwerer Symptomatik oftmals ein aggressives, ablenkbares und impulsives Verhalten insbesondere in Situationen in Mannschaftssportarten auf und sollen eine erhöhte Bereitschaft zu riskantem Verhalten haben, was die Verletzungsgefahr von sich selbst und anderen deutlich steigern könne.[8] Zudem fiele die soziale Integration in Gruppensportarten eher schwer, Regelverstöße, bzw. das Vergessen von Regeln seien häufig. Die Empfehlungen hinsichtlich bevorzugter Sportarten für Betroffene mit entsprechender Symptomatik gehen daher regelmäßig in die Richtung von Individualsportarten.[9] Diese Beobachtungen haben jedoch für den Einzelfall keinen Wert.

Besonders im Setting des Schulsports sollte von Lehrern bzw. Trainingsleitern die mögliche Stigmawirkung sowohl der Diagnose, als auch der ADHS-Symptomatik berücksichtigt werden. Soziale Ausgrenzungen oder Hänseleien aufgrund eventueller koordinativer oder motorischer Defizite können vermieden werden, indem beispielsweise auf Mannschaftswahlen von vornherein verzichtet wird. Der Umgang des Sportlehrers / Trainers mit dem Betroffenen ist bezüglich bestimmter Verhaltensweisen entscheidend. Dauerhafte Isolation in eine Außenseiter-Position sollte genauso vermieden werden, wie häufiges, stigmatisierendes Strafen oder Ermahnen. Hier zeigt sich die Wichtigkeit der Symptomkenntnis auch von Sportlehrern und Trainern.

Bewegungsmangel als Auslöser für ADHS

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Bewegungsmangel allein als Auslöser für ADHS in Frage kommt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Bewegungsmangel nicht zur Verschlechterung einer vorhandenen ADHS-Symptomatik beitragen kann.

Methylphenidat und Leistungssport

Das als spezifisches Stimulans klassifizierte Methylphenidat steht aktuell auf der Dopingliste und ist während des Wettkampfes nicht erlaubt. Soll das Medikament vor einem Wettkampf abgesetzt werden, muss beachtet werden, dass dies ausreichend früh geschieht, da Metaboliten von Methylphenidat, die von der Doping-Analytik erfasst werden, längerfristig nachweisbar sind.

Ausnahmeregelung

Entsprechend der Doping-Regularien haben Leistungssportler die Möglichkeit der Beantragung einer medizinischen Ausnahmegenehmigung. Für die Antragsstellung sind medizinische Unterlagen sowie eine Stellungnahme von einem klinischen Experten vorausgesetzt. Die Unterlagen müssen mindestens 30 Tage vor dem Wettkampf eingereicht werden. Wurde die ADHS-Diagnose erstmals im Erwachsenenalter gestellt, ist eine Bestätigung der Diagnose durch eine unabhängige zweite Expertenmeinung erforderlich.[10]

Weniger problematisch ist das Medikament Strattera, das nicht auf der Doping-Liste steht.

Siehe auch

Studien und wissenschaftliche Publikationen

Deutsch

Englisch

Weblinks

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise

  1. http://www.idw-online.de/de/news618422
  2. Flöel A, Ruscheweyh R, Krüger K, Willemer C, Winter B, Völker K, Lohmann H, Zitzmann M, Mooren F, Breitenstein C, Knecht S: Physical activity and memory functions: are neurotrophins and cerebral gray matter volume the missing link? Neuroimage 49 (2010) 2756-2763. doi:10.1016/j.neuroimage.2009.10.043
  3. Flohr JA, Saunders MJ, Evans SW, Raggi V: Effects of physical activity on academic performance and behavior in children with ADHD. Med Sci Sports Exerc 36 (2004) 5, S145-S146.
  4. McKune AJ, Pautz J, Lombard J: Behavioural response to exercise in children with attention-deficit / hyperactivity disorder. Sports Med (2003) 17-21
  5. Verret C, Guay MC, Berthiaume C, Gardiner P, Beliveau L:A physical activity program improves behavior and cognitive functions in children with ADHD: an exploratory study. J Atten Dis 16 (2012) 71-80. doi:10.1177/1087054710379735
  6. Gapin JI, Labban JD, Etnier JL: The effects of physical activity on attention deficit hyperactivity disorder symptoms: The evidence. Prev Med 52 (2011) S70-S74. doi:10.1016/j.ypmed.2011.01.022
  7. Lopez-Williams A, Chacko A, Wymbs BT, Fabiano GA, Seymour KE, Gnagy EM, Chronis AM, Burrows-MacLean L, Pelham WE jr., Morris TL: Athletic Performance and Social Behavior as Predictors of Peer Acceptance in Children Diagnosed with Attention-Deficit/ Hy - peractivity Disorder. J Emotional Behav Disorder 13 (2005) 173-180. doi: 10.1177/10634266050130030501
  8. Johnson RC, Rosen LA: Sports behaviour of ADHD children. J Att Dis 4 (2000) 150-160. doi:10.1177/108705470000400302
  9. https://www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/20fortbildung/20praxis/47sportmedizin/1310.pdf
  10. World Anti-Doping Agency: Medical Information to support the decisions of TUECs. Attention Deficit Hyperactivity Disorders (ADHD) in Children and Young Adults (December 2011)
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