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Autogenes Training

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Autogenes Training
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Indikation u.a. Therapie akuter Erregungszustände, Konzentrationsschwierigkeiten
Therapieform symptomatisch
Wirksamkeit für vereinzelte Indikationen belegt; unbelegt als Monotherapie bei ADHS
Wirkung Entspannungsverfahren

Bei dem vom Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz (* 20. Juni 1884 in Göttingen; † 19. September 1970 in Berlin) entwickelten Autogenen Training (aus dem Griechischen αὐτό auto ‚ursprünglich, selbsttätig‘ und lat. genero ‚erzeugen, hervorbringen‘) handelt es sich um ein auf Autosuggestion basierendes Entspannungsverfahren. Johannes Heinrich Schultz entwickelte die Entspannungstechnik in den 1920er Jahren auf den Grundlagen der Hypnose und stellte sie erstmals 1932 in seinem Werk Das autogene Training vor.[1][2]

Das autogene Training soll helfen, Stress zu bewältigen, Angst- und Konzentrationsstörungen zu mindern oder Selbstzweifeln entgegenzuwirken, es kommt jedoch mittlerweile nicht mehr nur zur Unterstützung der psychotherapeutischen Behandlung, sondern auch zur Erhöhung der allgemeinen Lebensqualität, zur Steigerung sportlicher Leistungen oder zur Besserung der kognitiven Leistungsfähigkeit zum Einsatz.

Das breite Wirkungsspektrum des Verfahrens ist wissenschaftlich belegt.[3]

Entwicklung des Autogenen Trainings

Auszug aus den hinduistischen Upanishaden (700 v. Chr.) - bereits diese enthielten Methoden, auf denen die heute angewendeten Formen des Autogenen Trainings basieren

Konzepte zur Entspannung existieren bereits seit einigen tausend Jahren. So beinhalteten bereits die Upanishaden (ca. 700 v. Chr.), die ältesten dokumentierten Grundlagen der Yogalehre, oder die japanische Zen-Meditation Methoden zur Selbstbeeinflussung bzw. Selbstberuhigung und -Entspannung. Aufgrund ihrer Kopplung an weltanschauliche oder religiöse Systeme sind diese Techniken aber kaum von diesen losgelöst auszuführen.

Ziel des Entwicklers Schultz war deshalb, eine Methode zu entwickeln, die unabhängig von weltanschaulichen oder kulturellen Aspekten anwendbar sein sollte, weshalb er bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit der Entwicklung einer Selbsthilfemethode nach wissenschaftlichen Prinzipien begann, um im Jahr 1926 die erste Arbeit über die Autogenen Organübungen zu veröffentlichen.[4] 1932 veröffentlichte er letztendlich die Endfassung seines Werks Das Autogene Training.

Schultz entwickelte sein Autogenes Trainig auf der Grundlage seiner Entdeckung, dass ein Großteil der Menschen in der Lage ist, bestimmte körperliche Zustände - darunter ein Zustand tiefer Entspannung - allein mit Hilfe von Autosuggestion, beziehungsweise der Vorstellungskraft zu erreichen. Seither wurde die Ursprungsmethode von Schultz auf den Grundlagen neuer Erkenntnisse erweitert.

Ablauf

Beim Autogenen Training, das im Einzel- oder Gruppensetting durchgeführt werden kann, wird zwischen drei Stufen unterschieden[5]:

  • Die Grundstufe

Die Übungen der Grundstufe beinhalten essentielle Techniken, die primär auf Entspannung abzielen. In bequemer Haltung sollen mit Hilfe bestimmter autosuggestiv wirkender Vorstellungen körperliche Entspannungszustände erreicht werden.

  • Die Mittelstufe

Die Übungen, die in der Mittelstufe zusammengefasst werden, bilden den Übergang zur Oberstufe. Die Mittelstufe beinhaltet einerseits die formelhafte Vorsatzbildung, wobei vordefinierte, positive Vorsatzformeln zur Autosuggestion angewendet werden. Im Rahmen des Gestaltens vor und nach dem Autogenen Training sollen die Übenden ungehemmt die Hände arrbeiten lassen, entsprechend einer Anleitung von Marianne Martin, die lautet: "Schau, was deine Hände machen."

  • Die Oberstufe

Die Übungen der Oberstufe lauten wie folgt:

  • Eine „beliebige“ Farbe auftreten lassen und „Auffinden der Eigenfarbe“.
  • Objekte erscheinen lassen.
  • Abstrakte Gegenstände „schauen“.
  • Gefühlszustände erleben – „Eigen-Gefühl“ erfahren.
  • Andere Menschen sehen.
  • Fragen an das Unbewusste.

Compliance

Die Drop-out-Raten bei Entspannungsverfahren sind im Allgemeinen hoch. Die Abbruchquoten variieren je nach Kontext und Zielsetzung der Entspannungsmethode stark (18 % bis 80 %) und liegen im Mittel bei etwa 30 %. Die variablen Abbruchquoten sind nach Diehl auf gruppendynamische Prozesse ebenso zurückzuführen wie auf die Beziehungsqualität zwischen Teilehmer und Kursleitung, didaktische Methoden oder Probleme bei der adaptiven Indikation.

Eine Untersuchung zeigte eine Tendenz auf, dass im Speziellen Personen, die den Kurs vorzeitig abgebrochen haben, nach den Befragungsergebnissen höhere Beanspruchungs-, Beschwerde- und Depressivitätswerte aufwiesen. Allerdings können die Untersuchungsergebnisse aufgrund der geringen Rücklaufquote der Fragebögen nicht als repräsentativ betrachtet werden.

Wirksamkeit des Autogenen Trainings bei ADHS

Autogenes Training wird, wie auch die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, von den Anbietern der Verfahren häufig als Alternativbehandlung der ADHS empfohlen. Eine allgemeine Wirkung von Entspannungsverfahren auf die Gesamtsymptomatik der ADHS ist jedoch nicht zureichend belegt.[6] Insbesondere bei mittelschwerer bis schwerer Symptomausprägung eignen sich Entspannungsverfahren nicht als alleinige Maßnahme zur ADHS-Therapie, sondern können als flankierender Bestandteil einer multimodalen Therapie unterstützend wirken.

Zahlreiche Studien belegen jedoch eine Wirkung zumindest auf einzelne ADHS-Symptome und häufige Komorbiditäten[7], darunter Ängstlichkeit und Depressivität. Auch hinsichtlich Selbstwirksamkeit sowie transpersonaler Qualitäten konnten positive Effekte des Autogenen Trainings nachgewiesen werden. Zudem eignet es sich zur allgemeinen Verbesserung des Gesamtbefindens.

Voraussetzung für die Durchführbarkeit des Autogenen Trainings ist, dass sich die Betroffenen auf den spirituellen Charakter des Autogenen Trainings einlassen können. Zudem kann sich eine stark ausgeprägte Hyperaktivität behindernd auswirken, sodass das Training vom Teilnehmer nicht als angenehm, sondern als belastend empfunden wird.

Autogenes Training mit Kindern

Autogenes Training kann mit Kindern ab dem sechsten Lebensjahr durchgeführt werden.[8] Dabei sollte dem Kind in spielerischer Form ein anschauliches Bild vom Verhältnis des Körpers zur Seele vermittelt werden. Voraussetzung ist zudem eine gewisse spielerische Konzentrationsfähigkeit. Bei Kindern und Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr kann, je nach Entwicklung, bereits das Erwachsenentraining durchgeführt werden.

Ausbildung

Für Anfänger bietet das Autogene Training die Möglichkeit, bereits in wenigen Stunden gute erste Ergebnisse erzielen zu können. Trainingskurse werden in der Regel in einem Umfang von etwa 3 bis 14 Stunden angeboten. Die Zertifizierung als Trainer macht eine gründliche Ausbildung erforderlich, die 24 bis 168 Ausbildungsstunden in Anspruch nehmen kann.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • J. H. Schultz: Das autogene Training (konzentrative Selbstentspannung). Versuch einer klinisch-praktischen Darstellung. Thieme, Leipzig 1932.
  • J. H. Schultz: Das original Übungsheft für das autogene Training. Anleitung vom Begründer der Selbstentspannung. 24. Auflage. TRIAS, Stuttgart 2004, ISBN 3-8304-3157-0.
  • J. H. Schultz: Das Autogene Training. In: Frankl, Gebsattel, Schultz: Handbuch der Neurosenlehre. Urban und Schwarzenberg, München/Berlin/Wien 1972, ISBN 3-541-05501-4, S. 339 ff.
  • Henrik Brandt, Steffen Grose: Weniger Stress durch Autogenes Training. CD mit Begleitheft. Brandt, Lübeck 2004, ISBN 3-00-014701-2.
  • Krampen, G. (1998). Einführungskurse zum Autogenen Training: Ein Lehr- und Übungsbuch für die psychosoziale Praxis (2., neu ausgestattete Auflage). Göttingen: Verlag für angewandte Psychologie
  • Helmut Brenner: Autogenes Training – Der Weg zur inneren Ruhe. Pabst, Lengerich u. a. 2004, ISBN 3-936142-62-9.
  • Joseph Garcia: Autogenes Training und Biokybernetik. Hippokrates Stuttgart, 1983, ISBN 3-7773-0594-4
  • Delia Grasberger: Autogenes Training. 8. Auflage. Mit Übungs-CD. Gräfe und Unzer, München 2008, ISBN 978-3-7742-5571-5.
  • Marita Hennig: Autogenes Training. Mit CD. Knaur, München 2003, ISBN 3-426-66849-1.
  • Bernt H. Hoffmann, u. a.: Handbuch autogenes Training – Grundlagen, Technik, Anwendung. DTV, München 2000, ISBN 3-423-36208-1.
  • Werner König, Gerhard di Pol, Gerhard Schaeffer: Fibel für Autogenes Training. 10. Auflage. Fischer, Jena u. a. 1996, ISBN 3-437-31130-1.
  • Hartmut Kraft: Autogenes Training. Handbuch für die Praxis. 4. Auflage. Deutscher Ärzteverlag, Köln 2004, ISBN 3-7691-0454-4.
  • Günter Krampen: Einführungskurse zum autogenen Training. Ein Lehr- und Übungsbuch für die psychosoziale Praxis. 2. Auflage. Verlag für Angewandte Psychologie, Göttingen 1998, ISBN 3-8017-1078-5.

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise

  1. J. H. Schultz: Das autogene Training. Konzentrative Selbstentspannung. Stuttgart 1970
  2. A. Pritz: Einhundert Meisterwerke der Psychotherapie. Springer, Wien/New York 2008.
  3. http://www.yoga-vidya.de/downloads/Wirksamkeit_von_Yoga_und_Autogenem_Training.pdf
  4. J. H. Schultz: Über Narkolyse und autogene Organübungen. Zwei neue psychotherapeutische Methoden. In: Medizinische Klinik. 22, 1926, S. 952–954. Auch in D. Langen: Der Weg des Autogenen Trainings. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1968.
  5. Die Übungen im Einzelnen (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Autogenes_Training#%C3%9Cbungen
  6. https://www.uni-marburg.de/ivv/downloads/praesentationen/adhs081217becker
  7. http://www.yoga-vidya.de/downloads/Wirksamkeit_von_Yoga_und_Autogenem_Training.pdf
  8. http://www.pib-zentrum.de/psychotherapie/therapieverfahren/autogenes-training.html


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