Therapeutisches Reiten

Aus ADHSpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Therapeutisches Reiten
Logo
Indikation ADHS-Therapie
Therapieform symptomatisch
Wirksamkeit noch unzureichend belegt
Wirkung k.A.
Verschiedene Untersuchungen konnten positive Effekte therapeutischen Reitens auf die ADHS-Symptomatik bei Kindern aufzeigen.

Als therapeutisches Reiten, Reittherapie oder Pferdetherapie werden psychologische, pädagogische, pschotherapeutische, rehabilitative, sozial-integrative, aber auch beispielsweise ergotherapeutische Maßnahmen bezeichnet, welche über das therapeutische Medium Pferd umgesetzt werden. Das therapeutische Reiten findet bei vielfältigen körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen Anwendung, darunter zunehmend auch bei ADHS.

Gegenwärtig bestehen vielfältige Wirkannahmen, jedoch sind empirische Evaluationsstudien zur Wirksamkeit des therapeutischen Reitens bei ADHS noch selten. Die bisherige Untersuchungslage setzt sich überwiegend aus Einzelfallstudien oder Studien mit geringen Teilnehmerzahlen zusammen. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand kann sich therapeutisches Reiten ergänzend zur Integration in ein multimodales Therapiekonzept eignen, eignet sich jedoch nicht als Monothrapie.

Therapeutisches Reiten bei ADHS

ADHS-spezifische Konzepte therapeutischen Reitens haben in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung bei Anbietern von Reittherapien gefunden. Solche Therapien scheinen besonders für Kinder geeignet, die größere Schwierigkeiten im Beziehungsaufbau und Bindungsverhalten sowie im Sozialverhalten in der Gruppe haben.[1] Als maßgebliche mögliche Vorteile der ADHS-Reittherapie werden genannt:

  • Förderung der Handlungsplanung und -steuerung der Kinder durch das Putzen und Satteln[2]
  • Möglichkeit der Konzentrationsförderung aufgrund der Gangqualitäten des Pferdes
  • wenig regulatorisches Eingreifen durch den Therapeuten notwendig. Dies ist vorteilhaft insbesondere bei häufigen negativen Vorerfahrungen von Kindern mit externalisierenden Verhaltensstörungen gegenüber Autoritätspersonen
  • Förderung von Anpassungsleistungen des Kindes an das Pferd, darüber hinaus werden Respekt und Verständnis für die Reaktionen und Eigenheiten des Pferds gefördert. Das Kind macht die Erfahrung, dass letztlich nur einfühlsames, kooperatives Verhalten des Reiters im Umgang mit dem Pferd zum Erfolg führt.[3]
  • im Gegensatz zu herkömmlichen Gruppenprogrammen erleichterte Integration auch „hoch aggressiver“ und „massiv auffälliger“ Kinder in die Reitergruppen.[4]
  • wenig bis kein „Therapiecharakter“, was vor allem für therapiemüde Kinder vorteilhaft sein kann sowie
  • hohe Teilnahmemotivation von Kindern.

Wirksamkeit therapeutischen Reitens bei ADHS

Die gegenwärtig vorliegenden Studien liefern unterschiedliche und teils widersprüchliche Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit von Reittherapien auf die ADHS-Symptomatik, individuelle Verhaltensprobleme und einzelne Bereiche wie Familie und Schule.[5]

In einer qualitativen Einzelfalldarstellung von Hamsen[6], in welcher sechs Kinder mit ADHS-Diagnose über eine Zeitraum von 15 Wochen zweimal wöchentlich am therapeutischen Reiten teilnahmen, konnten positive Auswirkungen der Reittherapie auf die motorischen sowie die Aufmerksamkeitsleistungen der Kinder festgestellt werden. Die Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistungen konnte dabei auch laut Lehrer-Feedback bestätigt werden.

Eine methodisch aufwändigere Untersuchung von Riedel, welche 30 Kinder mit ADHS-Diagnose mit einschloss, die über 15 Wochen zweimal wöchentlich an der Reittherapie teilnahmen, konnte eine Verbesserung der motorischen Retardation sowie der Ausdauerleistungsfähigkeit und ein ruhigeres Verhalten aufgrund einer Veränderung der Aktivität des vegetativen Nervensystems aufzeigen.[7]

Positive Effekte bei Kindern mit ADHS zeigte auch eine Pilotstudie von Cuyper, de Ridder und Strandheim mit fünf ADHS-diagnostizierten Kindern.[8]

Eine Untersuchung der Technischen Universität Braunschweig (N=19) konnte die genannten Verbesserungen der psychischen Symptomatik in Teilen bestätigen, fand jedoch keine weiteren positiven Effekte hinsichtlich Selbstwert und Empathiefähigkeit. Daneben konnten, entgegen der bisherigen Untersuchungsergebnisse, keine generalisierten positiven Verhaltenseffekte auf den familiären oder schulischen Bereich festgestellt werden.

Kostenübernahme

Heilpädagogisches Reiten und andere reittherapeutische Angebote sind meist privat zu tragen.[9] Bei einigen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe gehören sie zum methodischen Angebot und können Teil ambulanter Hilfen sein oder über den Pflegesatz bezahlt werden.

Siehe auch

Studien

Literatur

  • Gomolla, A. (2009). Forschungsstand und Forschungsperspektiven pferdegestützter (Psycho)Therapie.Vortragsskript XIII. Intern. Kongress für Therapeutisches Reiten. Münster.

Weblinks

Weitere interessante Artikel

Info.jpg

Einzelnachweise

  1. vgl. https://www.tu-braunschweig.de/Medien-DB/psychologie/EPF/abschlussbericht-jim-knopf-2012.pdf
  2. Hamsen, R. (2006). Möglichkeiten der Evaluation des Heilpädagogischen Voltigierens bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen. In Institut für Therapeutisches Reiten e.V. in Kooperation mit der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen (Hrsg.), Heilpädagogik und Soziale Arbeit (S. 36-44). Hildesheim: Eigenverlag.
  3. vgl. S.38: [ https://www.tu-braunschweig.de/Medien-DB/psychologie/EPF/abschlussbericht-jim-knopf-2012.pdf TU Braunschweig: Modellprojekt Jim Knopf]
  4. https://www.tu-braunschweig.de/Medien-DB/psychologie/EPF/abschlussbericht-jim-knopf-2012.pdf
  5. Gomolla, A. (2009). Forschungsstand und Forschungsperspektiven pferdegestützter (Psycho)Therapie.Vortragsskript XIII. Intern. Kongress für Therapeutisches Reiten. Münster.
  6. Hamsen, R. (2006). Möglichkeiten der Evaluation des Heilpädagogischen Voltigierens bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen. In Institut für Therapeutisches Reiten e.V. in Kooperation mit der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen (Hrsg.), Heilpädagogik und Soziale Arbeit (S. 36-44). Hildesheim: Eigenverlag.
  7. Riedel, M. (2005). Eine sportmedizinische Wirkungsanalyse des Heilpädagogischen Voltigierens bei Kindern mit dem Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätssyndrom(Dis.). Bielefeld: Eigenverlag.
  8. Cuyper, K., Ridder, K. & Strandheim, A. (2011) The effect of therapeutic horseback riding on 5 children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Pilot Study. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 17(10), 901-908
  9. www.dkthr.de; Fachhochschule Hildesheim 2006