Eli Lilly and Company (Pharmaunternehmen)

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Logo von Eli Lilly and Company

Eli Lilly and Company (kurz: Lilly) ist ein 1876 im US-amerikanischen Indianapolis gegründetes Pharmaunternehmen, das im Zusammenhang mit ADHS für die Herstellung und Vermarktung des Präparats Atomoxetin (Strattera) bekannt ist. Der Konzern ist Sponsor diverser ADHS-Vereine, ADHS-Experten und Initiator von Kampagnen und Forschungsprojekten zu ADHS. Lilly zählt mit einem weltweiten Jahresumsatz von 23,1 Milliarden US-Dollar (2013) zu den größten Pharmaunternehmen der Welt, wobei etwa 600 Millionen US-Dollar mit dem Absatz des ADHS-Medikaments Strattera erwirtschaftet werden.

In Deutschland ist der Konzern mit drei Niederlassungen und circa 1000 Mitarbeitern vertreten und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 500 Millionen Euro.

Eli Lilly-Werke weltweit

Lilly ist in der Vergangenheit dafür in die Kritik geraten, dass der Konzern Medikamente illegal vermarktet sowie Studien über Nebenwirkungen auch von ADHS-Medikamenten unterdrückt und heruntergespielt haben soll. Siehe auch: Das Pharmakartell (Reportage).

ADHS-Medikament Strattera

Lilly ist Hersteller und originärer Vermarkter des ADHS-Medikaments Atomoxetin (Strattera), das in Deutschland seit 2004 zur Behandlung von Kindern, Jugendlichen und seit seit 2013 auch für Erwachsene zugelassen ist.[1] Lilly besitzt in den USA bis 2017 das Patent für Atomoxetin.[2]

Sponsoring, Honorarzahlungen und andere Förderungen

Deutschland

Vereinigte Staaten

  • Lilly ist Sponsor des US-amerikanischen ADHS-Verbands CHADD.
  • Der US-amerikanische Psychiater Russell Barkley erhielt in den Jahren 2009 bis 2012 mehr als 100.000 US-Dollar von Lilly.[5]
  • Joseph Biederman erhielt Zuwendungen von Lilly.

Kritik

Vorwürfe gegenüber Lilly in der Sendung Frontal 21

Der Patientenbeauftragte des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen, Jörg Schaber, gab in einem Interviewbeitrag der Sendung Frontal 21 des Jahres 2008 an, ADHS habe „oft keinen Krankheitswert" und sei lediglich „nervig für die Umwelt".[6] Das Medikament Strattera werde nach Aussagen Schabers bei gesunden Kindern eingesetzt, die lediglich unruhig und unkonzentriert sind. Ferner soll das BfArM in Bonn nach Angaben von Frontal21 eine Liste mit über 200 Verdachtsfällen gefährlicher Nebenwirkungen von Strattera führen, unter denen sich auch vier Todesfälle befinden sollen.

In einer darauf folgenden Mitteilung widerspricht das Unternehmen diesen Aussagen. Nach Angaben von Lilly ist in Deutschland kein Todesfall bekannt, der in ursächlichem Zusammenhang mit Strattera steht. Das Medikament werde auch nicht bei gesunden Kindern eingesetzt. Dies begründet Lilly damit, dass der Medikamentenverordnung eine Diagnosestellung nach anerkannten Kriterien vorausgehen müsse. Dieser steht jedoch die aktuell angenommene, hohe Rate an ADHS-Fehldiagnosen gegenüber. Im Dezember 2008 bestätigte das BfArM eine Zahl von 234 Verdachtsfällen, bei denen (teils gefährliche) Nebenwirkungen registriert worden seien. Bis auf einen Fall, bei dem ein Zusammenhang mit dem Medikament jedoch nicht bestätigt werden konnte, liegen dem BfArM jedoch keine Hinweise auf Todesfälle vor, die mit Strattera in Zusammenhang stehen.[7]

Siehe auch: Das Pharmakartell (Reportage)

Unterdrückung von Studien über Nebenwirkungen

Lilly wurde in der Vergangenheit zum Vorwurf gemacht, dass das Unternehmen Studien über eigene Medikamente unterdrücke, um die Zulassung dieser nicht zu gefährden. Dies soll insbesondere im Zusammenhang mit den Zulassungen des Antidepressivums (SSRI) Fluoxetin sowie des Antipsychotikums Zyprexa (Olanzapin) geschehen sein.[8][9][10] Im Zusammenhang mit der Vermarktung von Zyprexa leistete Lilly seit 2005 insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar außergerichtliche Entschädigungszahlungen, da Nebenwirkungen, welche dem Unternehmen bekannt waren - darunter extreme Gewichtszunahme und Diabetes - von Lilly verschwiegen oder heruntergespielt wurden.[11] Ferner wurde Zyprexa gegen gesetzliche Vorgaben für Patientengruppen vermarktet, für die es keine Indikation besaß. Diese Praktiken wurden durch im Jahr 2006 in die Öffentlichkeit gelangte interne Unterlagen dokumentiert.

Reaktionen auf Unternehmenskritik

Dem von Lilly patentierten, zur Behandlung von Depressionen eingesetzten SSRI Fluoxetin (Handelsname in den USA: Prozac) konnte vor seiner Zulassung in den USA in vier von acht Placebo kontrollierten Studien keine Placebo-überlegene Wirksamkeit nachgewiesen werden, in den übrigen vier wurde lediglich eine leichte Placebo-Überlegenheit festgestellt.[12] Zudem erhielt Fluoxetin in der Bundesrepublik Deutschland zunächst keine Zulassung (diese erfolgte erst im Jahr 1990), da das Bundesgesundheitsamt ein erhöhtes Suizidrisiko gegeben sah. In den USA erteilte die FDA erst nach langer Diskussion die Zulassung. Hinter der Tatsache, dass das Präparat letztlich dennoch zugelassen wurde, vermuten Kritiker wie Felix Hasler seitens Lilly eine gezielte selektive Veröffentlichung von entsprechenden Studien.[13] Auch in dem im Jahr 1995 in den USA verhandelten Wesbecker-Verfahren[14] wurde das erhöhte Suizidrisiko im Zusammenhang mit Fluoxetin thematisiert.[15]

Der US-amerikanische Psychiater Peter Breggin griff die Vermarktung des Medikaments in seinem Buch Talking Back to Prozac auf kritische und mitunter auch polemische Weise auf. So warf er Lilly beispielsweise vor, das Unternehmen beabsichtige, farbige Kinder und Jugendliche durch biologisch-genetische Pathologisierung rassistisch zu stigmatisieren und die Auffassung zu verbreiten, farbige Kinder hätten aufgrund genetischer Veranlagungen erhöhten Aggressionspotenzials einen erhöhten Bedarf an Medikamenten wie Prozac.[16] Darüber hinaus wies Breggin, welcher Dokumente für die FDA sichtete, darauf hin, dass sich das bewährte Standard-Antidepressivum Imipramin in sechs von sieben Untersuchungen als wirkungsvoller herausgestellt hatte, als Fluoxetin.

Als Reaktion auf Breggins kritische Äußerungen gab Lilly öffentlich bekannt, dass das Unternehmen Breggins Auffassungen nah an denen der Church of Scientology verorte. Lilly-Sprecher Edward West betitelte Breggins Ansichten als „neo-scientologisch“, obgleich Breggin mehrfach öffentlich kundgegeben hatte, dass dieser sich klar von der Church of Scientology und ihren Ideologien, Wertvorstellungen und Ansichten distanziere. Darüber hinaus soll West versucht haben, Medien zu überreden, Breggin aufgrund der seiner Meinung nach Scientology-nahen Ansichten von weiteren Interviews auszuschließen. Eine öffentliche Diskussion mit Breggin lehnte das Unternehmen ab. Breggin erachtete dieses Verhalten seitens des Konzerns als Hetzkampagne gegen ihn und veröffentlichte eine Gegendarstellung auf seiner Homepage,[17] wo er auch seine Beziehung und Ansichten gegenüber der Church of Scientology deutlich machte:

Ich bin nicht neutral gegenüber Scientology eingestellt, vielmehr bin ich durchaus kritisch gegenüber ihnen eingestellt. Im Jahr 1972 habe ich Scientology kennengelernt und war für kurze Zeit einverstanden, gemeinsam mit diesen an einigen Reformprojekten zu arbeiten. Als ich jedoch mehr über die Organisation erfuhr, erkannte ich, dass meine eigenen Ziele und Werte denen von Scientology entgegenstanden. Ich habe jegliche Zusammenarbeit mit Scientology im Jahr 1974 eingestellt und habe mich in einem offenen Brief im Januar 1975 öffentlich von ihnen distanziert. Ich lehne bereits seit zwanzig Jahren jeglichen Kontakt zu Scientology ab und habe diese hunderte Male in den Medien, im Radio, auf Workshops und im Rahmen öffentlicher Reden kritisiert (...) Dass Lilly versucht, meine Ansichten in Verbindung mit Scientology zu bringen, obwohl ich dafür bekannt bin, seit langer Zeit Kritiker der Organisation zu sein, lässt deutlich werden, wie verzweifelt diese Firma versucht, die Wahrheit über Prozac und die mit diesem verbundenen, unseriösen Forschungs- und Vermarktungsmethoden vor der amerikanischen Öffentlichkeit zu vertuschen (...) Es zeigt, auf welche Weise diese Firma bereit ist, die eigenen Profite auf Kosten von Patienten zu sichern".[18]

— Peter Breggin

Später gab Breggin jedoch bekannt, dass er einige Sichtweisen der Citizens Commission on Human Rights, einer antipsychiatrischen Unterorganisation Scientologys, nach wie vor teile.[19]

Film und Fernsehen

Andere Pharmaunternehmen

Siehe auch

Weblinks

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise

  1. http://www.krankenpflege-journal.com/pharmakologie/108-pharma-aktuell/7063-lilly-deutschland-stratterar-atomoxetin-erhaelt-die-zulassung-fuer-den-behandlungsbeginn-bei-adhs-im-erwachsenenalter.html
  2. http://www.accessdata.fda.gov/scripts/cder/ob/docs/patexclnew.cfm?Appl_No=021411&Product_No=002&table1=OB_Rx
  3. http://www.zentrales-adhs-netz.de/ueber-das-netz/foerderung.html
  4. http://www.zeit.de/2005/21/Pharmafirmen_neu
  5. https://projects.propublica.org/d4d-archive/search?utf8=%E2%9C%93&term=Russell+Barkley&state[id]=&company[id]=&period[]=&services[]=
  6. Nachfolgender Absatz vgl. Ärztezetung.de
  7. http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/adhs/article/525715/bundesinstitut-bestaetigt-vier-todesfaelle-durch-stratteraR-nicht.html
  8. http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2007/01/12/a0259
  9. Virapen, John: Nebenwirkung Tod, 2. Auflage, Neuer Europa Verlag, Leipzig 2008.
  10. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=28879&no_cache=1&sword_list=zyprexa
  11. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/02/06/pharmaindustrie-schlimmer-als-die-mafia
  12. Heald, D.: Let them eat Prozac, 2004.
  13. Hasler, F.: Neuromythologie: Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung, S. 106
  14. Wikipedia - Wesbecker Case (englisch)
  15. Transkript Wesbecker-Verhandlung, vgl. Cornwell J (1996), S. 199
  16. http://web.archive.org/web/19981201222709/http://www.breggin.com/Joemccarthylives.html
  17. http://web.archive.org/web/19981201222709/http://www.breggin.com/Joemccarthylives.html
  18. http://web.archive.org/web/19981201222709/http://www.breggin.com/Joemccarthylives.html
  19. http://breggin.com/index.php?option=com_content&task=view&id=63